Eine Leseprobe
Aus meinem autobiografischen Manuskript
Wie schreibt man seine Gefühle nieder, wenn man die Gefühle kein bisschen aushalten kann?
Ich konnte meine Gefühle so schlecht aushalten, dass es mich all meine Kraft kostete, sie zu verdrängen. Bei meiner ersten ernsthaften Schreibsession schaffte ich etwa achthundert Worte. Ich merkte gar nicht, was mit mir geschah. Ich wurde immer bedrückter. Während des Schreibens war ich wie gebannt. Es war unheimlich anstrengend. Nicht wie in der Schule einen Aufsatz über Eskimodörfer zu schreiben anstrengend. Es war emotional anstrengend. Ich wurde zunehmend paranoid. Die kleinsten Reize um mich herum irritierten mich zutiefst. Während ich schrieb, wurde mir zunehmend klarer, was ich hier eigentlich tat. Ich saß mitten in der Woche auf einer gemieteten Wiese an einem Klapptisch und versuchte meine schlimmsten Erinnerungen zuzulassen. Das alles in der Hoffnung, dass es mir besser gehen würde.
Thomas Tikko · Aus meinem Manuskript
TEXTE, GESCHICHTEN, VERDICHTUNGEN
Manche Erfahrungen passen in keine Podcastfolge. Hier entstehen Essays, Notizen, Fragmente und literarische Geschichten über Krankheit, Trauma, Neurodivergenz, Würde, Leistung und die verschiedenen Wirklichkeiten, in denen Menschen leben.
Die Vorgeschichte
Der Kollaps begann nicht mit der Diagnose. Texte über Anpassung, Masking, frühe Rollen und das lange Funktionieren zeichnen nach, welche Geschichte ein Nervensystem schon mitbringt.

Notizen aus der Mechanik
Kurze Beobachtungen darüber, wie Dissoziation, Überforderung, Sprache und Erinnerung von innen wirken – ohne Ferndiagnose, ohne Schaubild und ohne den Anspruch auf eine allgemeingültige Erklärung.
Was als Nächstes entsteht
Neue Texte erscheinen hier, wenn sie fertig sind. Nicht nach Redaktionsplan, sondern wenn eine Erfahrung lange genug betrachtet wurde, um mehr als nur eine schnelle Meinung zu sein.